Das Stadtarchiv Zwickau informiert:
Vortrag im Stadtarchiv anlässlich des Tages der Archive
Anlässlich des „13. Tages der Archive 2026“ beteiligt sich das Stadtarchiv am 7. März mit einem Vortrag zu „Alte Heimat – Neue Heimat. Zwickauer Zeitzeugenbefragungen zu Flucht und Vertreibung 1945/1946“. Laut zeitgenössischen Quellen waren zwischen 20.000 und 22.000 Neubürger in der Stadt Zwickau registriert. Viele von ihnen kamen aus Schlesien und Ostpreußen. Mit zwölf von ihnen sprach im Rahmen der Abschlussarbeit zur Ausbildung zur Fachangestellten für Medien und Informationsdienste/Fachrichtung Archiv Madeleine Spörl. Zum Zeitpunkt der Flucht oder Vertreibung waren die Betroffenen zwischen einem Jahr und 23 Jahre alt.
Zu ihnen gehört unter anderem Helmut Kinner (*5. Januar 1922). Er erlebte im Januar 1945 im Alter von 23 Jahren die Flucht aus Breslau vor der Roten Armee am eigenen Leib. Mit einem Sonderzug aus Güterwagons der Reichsbahn fuhren seine Eltern und er mit Frau und Kind tagelang von Breslau in Ungewisse. Dass sie nur Tage später in Zwickau ankamen war reines Glück. Herr Kinner arbeitete anschließend in einer Kanzlei als Jurist.
Ilse Mummert wurde am 7. Dezember 1925 in Großendorf bei Steinau in Niederschlesien geboren. Nach Erlaubniserteilung durch den Ortsgruppenleiter konnte die Flucht vor der Roten Armee mit ihren Eltern und Schwestern am 23. Januar 1945 beginnen. Über das Sudetenland kamen sie am 6. März 1945 in Libotitz in der Nähe von Kaaden (heutiges Tschechien) an. Sie lebten dort bis zur Vertreibung im Mai 1945. Von Saaz über Tetschen-Bodenbach und Hirschfelde erfolgte die Heimreise. Die Familie lebte bis Oktober 1946 wieder in ihrer Heimat bis die Ausweisung bzw. Vertreibung durch Polen begann. Die Zugfahrt führte sie nach Elsterhost bei Hoyerswerda. Dort verbrachten sie zwei Wochen in einem Lager zur Entlausung bis sie am 8. November 1946 nach Glauchau verwiesen und nach Meerane aufgeteilt wurden. Frau Mummert zog 1951 nach Zwickau und erlernte den Beruf der Krankenschwester.
Die Ergebnisse des Projektes werden am 7. März um 14 Uhr im Vortragssaal des Stadtarchivs in der Crimmitschauer Str. 1 der interessierten Öffentlichkeit präsentiert. Die Teilnehmerzahl ist auf 40 Personen begrenzt. Die erforderliche Anmeldung erfolgt über Tel.: 0375 834706 bzw. stadtarchivzwickaude.